1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
51
52
53
54
55
56
57
58
59
60
61
62
63
64
65
66
67
68
69
70
71
72
73
74
75
76
77
78
79
80
81
82
83
84
85
86
87
88
89
90
91
92
93
94
95
96
97
98
99
100
101
102
103
104
105
106
107
108
109
110
111
112
113
114
115
116
117
118
119
120
121
122
123
124
125
126
127
128
129
130
131
132
133
134
135
136
137
138
139
140
141
142
143
144
145
146
147
148
149
150
151
152
153
154
155
156
157
158
159
160
161
162
163
164
165
166
167
168
169
170
171
172
173
174
175
176
177
178
179
180
181
182
183
184
185
186
187
188
189
190
191
192
193
194
195
196
197
198
199
200
201
202
203
204
205
206
207
208
209
210
211
212
213
214
215
216
217
218
219
220
221
222
223
224
225
226
227
228
229
230
231
232
233
234
235
236
237
238
239
240
241
242
243
244
245
246
247
248
249
250
251
252
253
254
255
256
257
258
259
260
261
262
263
264
265
266
267
268
269
270
271
272
273
274
275
276
277
278
279
280
281
282
283
284
285
286
287
288
289
290
291
292
293
294
295
296
297
298
299
300
301
302
303
304
305
306
307
308
309
310
311
312
313
314
315
316
317
318
319
320
321
322
323
324
325
326
327
328
329
330
331
332
333
334
335
336
337
338
339
340
341
342
343
344
345
346
347
348
349
350
351
352
353
354
355
356
357
358
359
360
361
362
363
364
365
366
367
368
369
370
371
372
373
374
375
376
377
378
379
380
381
382
383
384
385
386
387
388
389
390
391
392
393
394
395
396
397
398
399
400
401
|
# Altersvorsorge-Vergleich — Web-App
Progressive Web-App zum Excel-Modell im übergeordneten Ordner. Derselbe Rechenkern, dieselben
Ergebnisse, aber bedienbar von Menschen, die keine Tabellenkalkulation aufmachen wollen.
| Datei | Rolle |
|---|---|
| `index.html` | **Die ganze App.** Rechenkern, Oberfläche, Diagramme, Texte — eine Datei, keine externen Abhängigkeiten. Läuft per Doppelklick. |
| `manifest.json` | Macht die App installierbar (Name, Farben, Symbole). |
| `service-worker.js` | Offline-Cache, `stale-while-revalidate`. |
| `icon-*.png` | App-Symbole, 192 / 512 / 512-maskable. |
---
## 1. Weitergeben — drei Wege
**a) Nur die Datei.** `index.html` verschicken. Sie ist vollständig autark: Doppelklick genügt,
alles rechnet, Eingaben werden im Browser gespeichert. Was fehlt, ist nur die PWA-Hülle —
kein Symbol auf dem Startbildschirm, kein Offline-Cache. Beides braucht es hier auch nicht,
die Datei liegt ja schon auf dem Gerät. Die App sagt das dem Nutzer auch selbst.
**b) Der ganze Ordner auf einem Webspace.** Irgendein HTTPS-Hosting genügt (GitHub Pages,
Netlify, ein Unterverzeichnis auf der eigenen Domain). Dann ist sie installierbar und
offlinefähig. Es gibt kein Backend, keine Datenbank, keine Build-Kette.
```bash
# lokal ausprobieren, mit Service Worker:
cd app && python3 -m http.server 8000 # -> http://localhost:8000
```
Service Worker laufen auch auf `http://localhost` — als „secure context“ ist localhost
ausdrücklich ausgenommen.
**c) Als Link.** Der Knopf *„Link mit meinen Zahlen kopieren“* kodiert den kompletten
Eingabestand base64url in den Fragment-Bezeichner. Fragmente werden vom Browser **nicht** an
den Server geschickt (RFC 3986 § 3.5) — der Link enthält also persönliche Zahlen, überträgt
sie aber an niemanden außer den Empfänger.
## 2. Wo die Daten liegen
Ausschließlich in `localStorage` unter dem Schlüssel `altersvorsorge.v1`, also im Browser des
Nutzers. Kein Server, keine Analytik, keine Schriftarten von fremden Domains, keine externen
Skripte. Die einzigen Netzwerkzugriffe der App sind die, die der Service Worker macht, um sich
selbst zu aktualisieren.
## 3. Aufbau der Datei
`index.html` ist in elf nummerierte Teile gegliedert:
| Teil | Inhalt |
|---|---|
| 1 | **Rechenkern** — Portierung von `build_bav.py`. Reine Funktionen, kein DOM |
| 2 | Felddefinitionen: 77 Eingaben mit Bereich, Einheit, Erklärung, Fundstelle |
| 3 | Zustand, `localStorage`, Kodierung für den Teilen-Link |
| 4 | Formatierung (de-DE, Komma als Dezimaltrenner in beiden Richtungen) |
| 5 | Kennzahlen |
| 6 | Aufbau der Oberfläche |
| 7 | Ergebniskarten mit Δ-Anzeige |
| 7b | Klartext-Fazit, Beispielwert-Hinweis, mitlaufende Ergebnisleiste |
| 8 | Diagramme, reines Canvas |
| 9 | Rechenweg |
| 10 | Render-Schleife |
| 11 | Installation und Offline-Betrieb |
| 12 | Fensterrahmen: Titelleisten und Minimieren |
Der Rechenkern in Teil 1 ist **die einzige Stelle, an der gerechnet wird.** Er ist zeichengenau
aus `build_bav.py` übertragen; Änderungen an der Rechtslage gehören in beide Dateien.
### Brutto und Netto sind gekoppelt
Es gibt keinen Umschalter „ich gebe vor: Brutto / Netto“ mehr. Beide Felder zeigen dieselbe
Größe, nur in verschiedener Währung:
```
N(B) = B − SV-Ersparnis_AN(B) − Steuerersparnis(B)
```
`N` ist auf `[0, Bruttogehalt]` stetig und wegen `dN/dB = 1 − Grenz-SV-Satz − Grenzsteuersatz > 0`
streng monoton wachsend, also eine Bijektion auf `[0, N(Bruttogehalt)]`. Ein Umschalter wäre
eine Auswahl zwischen einer Funktion und ihrer Umkehrfunktion — also keine.
`beitrag` bleibt die einzige Quelle der Wahrheit; `netto_ziel` ist ein **abgeleitetes Feld** mit
`get` (Vorwärtsrechnung, Jahr 0 der Ansparphase) und `set` (Bisektion, `bruttoVonNetto`).
Beide werten dasselbe erste Jahr aus — Lohn- und Tarifindex sind dort 1 —, weshalb die
Richtungen exakt invers sind. Gemessen über 12 Parameterkombinationen × 5 Stützstellen:
| Richtung | größter relativer Fehler |
|---|---|
| B → N → B | 2,3 · 10⁻⁸ |
| N → B → N | 2,1 · 10⁻⁸ |
Das ist genau die Auflösung der Bisektion: 34 Halbierungen auf `[0, 250.000 €]` sind
1,5 · 10⁻⁵ €/Jahr, also gut ein Millionstel Cent im Monat. Die Monotonie ist zusätzlich auf
`1 … 1.500 €/Monat` in Ein-Euro-Schritten geprüft; die kleinste beobachtete Steigung ist
`dN/dB = 0,545`, d. h. Steuer und Sozialabgaben tragen zusammen nie mehr als 45,5 % des
Bruttobeitrags.
Fällt der Nettoaufwand für das erste Jahr auf null — weil man dann bereits ausgeschieden ist —,
existiert die Umkehrung nicht. Die App sagt das statt still nichts zu tun.
## 4. Prüfung
Der Kern ist gegen die Excel-Mappe geprüft, drei unabhängige Fälle, jeweils 22 Aggregate:
| Testfall | größte relative Abweichung |
|---|---|
| Basisfall (40 J., 75.000 €, 300 €/Monat, GKV, Kapital, Ausscheiden mit 63) | 3,6 · 10⁻¹⁵ |
| Splitting, KiSt 9 %, kinderlos, PKV, Rente, Fünftelregelung, Modus 2, Teilkapital | 1,3 · 10⁻¹⁴ |
| GKV + lebenslange Rente, Zuschussmodus 0, KiSt 8 %, Teilkapital 30 % | 6,2 · 10⁻¹⁵ |
Das sind wenige Dutzend ULP — akkumulierter Gleitkommafehler, nichts Systematisches.
Die Referenzwerte stammen aus einem LibreOffice-Recalc der Mappe mit denselben Eingaben.
> Die **Voreinstellungen** der App weichen bewusst vom Excel-Basisfall ab: „Ausscheiden aus dem
> Job“ und „Teilzeit ab Alter“ stehen beide auf 67, also auf „durchgehend bis zur Rente“. Die
> Testfälle setzen `ausscheid: 63, tzalter: 55` deshalb ausdrücklich — sonst prüfte man ein
> anderes Szenario und merkte es nicht.
Damit die beiden Kopien des Kerns nicht auseinanderlaufen, schneidet `extract.js` Teil 1 aus
`index.html` heraus und erzeugt daraus das `model.js`, gegen das getestet wird. Der Testkern
*kann* also gar nicht vom ausgelieferten abweichen.
Die Testskripte liegen unter `outputs/tests/`, `./tests/alle.sh` fährt alles durch:
- **Stilblatt-Test:** vergleicht die im Dokument benutzten Klassen mit denen im Stilblatt,
in beide Richtungen. Benutzt-ohne-Regel heißt: ein Element steht unformatiert da.
Regel-ohne-Nutzung heißt: tote Zeilen, meist eine vergessene Umbenennung. Der Test hat
nach dem Stilwechsel zwei echte Fehler gefunden — den unformatierten Wasserfall-Umschalter
und sechs verwaiste Hilfsklassen. Zusätzlich: jede per `var()` referenzierte Farbvariable
muss definiert sein.
- **DOM-Test:** 34 Zusicherungen über jsdom — Karten, Sichtbarkeitsregeln, Regler, Segment-
umschalter, Brutto-Netto-Kopplung in beide Richtungen, Fazittexte, mitlaufende Leiste,
Rundung, Tabs, Kennzahlwechsel, Referenz merken, Zurücksetzen, `localStorage`.
Die beiden seltenen Zweige des Fazits — „zulasten“ und „die Reihenfolge kehrt sich um“ —
sind eigens durch Parametersuche im Modell aufgespürt und dann im DOM nachgestellt worden;
ungetestete Textzweige sind sonst genau die, die beim Nutzer falsch dastehen.
- **Canvas-Test, Stufe 1** (Endlichkeit): 120 Kombinationen aus 2 Breiten × 15 Randfällen ×
4 Diagrammen. Jeder Zeichenaufruf wird auf endliche Koordinaten, gesetzte Farben und
Beschriftungen ohne `NaN` geprüft. Fand drei echte Fehler: Division durch null bei
Beitrag 0, entarteter Zeitraum bei Horizont = Rentenbeginn, und — der interessanteste —
nicht ganzzahlige Zwischenwerte in der Sensitivitätskurve über das Feld *Alter*, wodurch
`Z[6,2]` indiziert wurde.
- **Canvas-Test, Stufe 2** (Sichtbarkeit): 400 Kombinationen aus 5 Breiten-/DPR-Paaren ×
20 Szenarien × 4 Diagrammen. Prüft zusätzlich, dass jede Koordinate **innerhalb der Bitmap**
liegt. Diese Stufe entstand, nachdem Stufe 1 einen sichtbaren Fehler durchgelassen hatte:
`prep()` skalierte die Zeichenmatrix mit `devicePixelRatio`, setzte `canvas.height` aber in
logischen Pixeln — alles unterhalb von `h/dpr` wurde aus der Bitmap herausgezeichnet.
Sämtliche Koordinaten waren dabei endlich, also fehlerfrei nach Stufe 1. Lehre: bei Canvas
reicht „endlich“ nicht, es muss „im Bild“ geprüft werden.
## 5. Was die App über das Excel hinaus kann
- **Sensitivitätskurve** über den zuletzt bewegten Regler: 41 vollständige Modellläufe
(~0,5 ms je Lauf), mit markierten Schnittpunkten gegen das Privatdepot. Damit sind
Break-evens ablesbar statt ausgerechnet.
- **Wasserfall der Werttreiber**, teleskopierend zerlegt, also exakt aufgehend. Reihenfolge-
abhängig, weil die Effekte nicht additiv separierbar sind — die App sagt das dazu.
- **Warnung bei uneiniger Rangfolge.** Barwert und äquivalente Monatsleistung ranken
unterschiedlich, sobald der Wiederanlagezins nach Steuern deutlich über der Inflation liegt
(im Basisfall 5,54 % gegen 2,00 %). Genau daran hängt die Aussage
„PKV im Ruhestand dreht das Ergebnis“: nach Monatsleistung ja, nach Barwert nicht.
- **Alle 45 Rechengrößen editierbar**, mit Fundstelle. Wer die Modellannahme
„Sonderausgaben-Höchstbetrag 2.340 €“ (Vertrauensgrad ~70 %) nicht teilt, ändert sie.
- **Live-Notizen an den Reglern.** Der Arbeitgeberzuschuss meldet, ab welchem Prozentsatz er
sättigt; der Monatsbeitrag meldet das Überschreiten der 4-%- und der 8-%-Grenze der
Beitragsbemessungsgrenze RV. Beides sind Schwellen, an denen der Regler seine Wirkung
verliert oder die Rechtslage wechselt — ohne Hinweis dreht man ratlos weiter.
- **Klartext-Fazit** in einem Satz: wer vorn liegt, um wie viel, und welcher Posten des
Wasserfalls den Abstand hauptsächlich trägt. Beschreibend formuliert, nicht empfehlend.
Angehängt ein Belastbarkeitstest über ±1 Prozentpunkt Bruttorendite, der ausdrücklich sagt,
wenn die Reihenfolge in dieser Spanne kippt — was sie überraschend oft tut.
## 6. Bedienung auf dem Telefon
Die Regler standen ursprünglich rund 1.000 px unter den Ergebniskarten. Wer auf einem 390-px-
Gerät einen Regler schob, sah von der Wirkung **nichts** — genau das Gegenteil der Anforderung.
Zwei Änderungen:
1. **Reihenfolge:** Ergebnis → *Ihre Angaben* → Diagramme → Weitere Angaben → Rechenweg.
Die Diagramme sind Vertiefung, die Eingaben sind der Arbeitsplatz.
2. **Mitlaufende Ergebnisleiste**, eingeblendet per `IntersectionObserver`, sobald die
Ergebniskarten den oberen Rand verlassen. Sie zeigt alle drei Werte, das Δ zum
Referenzstand, die Bezeichnung der Kennzahl und einen Sprung zurück nach oben.
Dazu: `:focus-visible` ist jetzt definiert (vorher gab es gar keine sichtbare Tastaturführung
auf den Segment-Umschaltern), und `prefers-reduced-motion` schaltet Übergänge ab.
Der Rechenweg baut 98 Tabellenzeilen. Solange kein Abschnitt aufgeklappt ist, wird der
Neuaufbau jetzt bis 300 ms nach der letzten Eingabe verschoben und beim Aufklappen nachgeholt.
## 7. Zwei Zinssätze und der Kapitalverlauf
In der Auszahlungsphase arbeiten **zwei verschiedene Zinssätze**, und das ist kein Versehen:
| Geld … | verzinst sich mit | versteuert |
|---|---|---|
| … im Produkt (AV-Depot) | `rnet_av` = 6,50 % | erst bei Entnahme |
| … im Produkt (Privatdepot) | `rnet_priv` = 6,80 % | erst bei Entnahme |
| … ausgezahlt, noch nicht verbraucht | `wiederanl` = **5,54 %** | bereits versteuert |
Wieviel davon betroffen ist, entscheidet die **Auszahlungsform** — und die gibt es bei *beiden*
geförderten Produkten:
| | Einmalbetrag | Rest |
|---|---|---|
| bAV | 0 % oder 100 % (`auszform`) | — |
| Altersvorsorgedepot | 0 – 30 % (`teilkap`) | bleibt im Produkt |
Beim Altersvorsorgedepot kostet der Einmalbetrag aus denselben zwei Gründen wie bei der bAV:
volle Progression im Zuflussjahr und danach nur noch der Satz nach Abgeltungsteuer. Im
Basisfall:
| Einmalbetrag | steuerpflichtig Jahr 0 | Grenzbelastung | Monatsleistung |
|---|---|---|---|
| 0 % | 17.292 € | 27,2 % | 850,83 € |
| 15 % | 42.543 € | 29,7 % | 840,09 € |
| 30 % | 67.793 € | 32,3 % | 823,37 € |
Zwei Kontrollen dazu: das Restkapital am Horizont ist über alle geprüften Renditen, Horizonte
und Einmalbeträge **exakt 0,00 €** — der Annuitätenfaktor passt zur Rekursion, es wird nichts
stillschweigend einbehalten. Und der Überschuss über den Jahreshöchstbetrag („Sleeve“) wird
ohne Einmalbetrag verrentet; das ist eine Modellkonvention, kein Rechtssatz.
**Modelllücke, ausdrücklich:** die bAV kennt hier nur ganz oder gar nicht. Eine
Teilkapitalisierung der Betriebsrente, die es in der Praxis gibt, ist nicht abgebildet.
### Der Kapitalverlauf
Eine Größe über die ganze Zeitachse, mit Verbrauch und mit Liquiditätszerlegung.
```
Wiederanlage(0) = 0
Wiederanlage(t+1) = (Wiederanlage(t) + netto(t))·(1+w) − M M = V(0)·ANNW
Vermögen(t) = Produktkonto(t) + Wiederanlage(t)
```
Die äquivalente Monatsleistung wird also **tatsächlich verbraucht**. Weil `ANNW` der
nachschüssige Annuitätenfaktor ist und der Konsum am Jahresende abgeht, gilt
`Wiederanlage(n) = 0` exakt.
Vier geprüfte Identitäten:
| | |
|---|---|
| `Vermögen(0) = Produktkapital` | 0,00 € — die Wiederanlage ist am Rentenbeginn null, die Kurve läuft **knickfrei** durch |
| `Vermögen(n) = 0` | 7,4 · 10⁻¹⁰ € — jede Option ist am Horizont punktgenau aufgebraucht |
| `M = V(0)·ANNW`, `M/12` diskontiert `=` Monatsleistung | 0,00 € — der Verbrauch ist genau die Kennzahl oben |
| Pfade **nicht** proportional | AV/privat wandert von 1,3152 auf 1,2497 |
> **Warum das nicht proportional ist — und die naheliegende Variante schon.**
> Setzt man *alles* auf den Wiederanlagezins und konsumiert daraus
> (`G(t+1) = G(t)(1+w) − M`), kürzt sich der Unterschied heraus: `G_x/G_y = M_x/M_y` für alle t,
> geprüft auf 4 · 10⁻¹⁴. Entscheidend ist, **wo** der Konsum abgeht. Nimmt man ihn nur aus der
> Wiederanlage und lässt das Produktkapital im Produkt, wo es mit der Produktrendite **vor**
> Steuern wächst, bleibt genau der Unterschied stehen, um den es geht.
### Liquidität
Durchgezogen das Vermögen insgesamt, gestrichelt in derselben Farbe der **frei verfügbare**
Teil. Der Abstand ist gebundenes Kapital.
| | Bindung | im Basisfall bei Rentenbeginn |
|---|---|---|
| bAV | vollständig bis zum Rentenbeginn — § 1b BetrAVG kennt Unverfallbarkeit, nicht Verfügbarkeit; danach kein Konto mehr | **0 € von 357.076 € frei** |
| Altersvorsorgedepot | Entnahme vor 65 ist förderschädlich; frei ist nur der „Sleeve“ über dem Jahreshöchstbetrag | 0 € von 240.001 € frei |
| privates ETF-Depot | jederzeit | **182.489 € von 182.489 € frei** |
Das ist die einzige Achse, auf der eine bAV-Kapitalauszahlung gut aussieht: mit 68 springt sie
von 0 % auf 100 % Verfügbarkeit. Und es ist die Achse, die in Beratungsgesprächen am häufigsten
fehlt.
### Warum kein Konsummodell
Naheliegend wäre, Lebenshaltungskosten als eigene Eingabe zu führen. Das wurde geprüft und
verworfen — es trägt **beweisbar keine vergleichende Information**. Weil der Nettoaufwand in
allen drei Optionen identisch ist, unterscheiden sich die Zahlungsströme nur in der
Auszahlungsphase; ein für alle drei gleicher Konsumstrom `C` ist damit eine gemeinsame additive
Verschiebung:
| Konsum | AV − privat bei t = 5 | bei t = 15 | bAV − privat bei t = 15 |
|---|---|---|---|
| 0 €/Jahr | 55.049,182535 € | 56.681,527808 € | −62.016,690135 € |
| 12.000 €/Jahr | 55.049,182535 € | 56.681,527808 € | −62.016,690135 € |
| 60.000 €/Jahr | 55.049,182535 € | 56.681,527808 € | −62.016,690135 € |
Auf sechs Nachkommastellen identisch. Dazu käme: ein ehrliches Konsummodell bräuchte in der
Ansparphase auch das Gehalt, sonst liefe die Kurve sofort ins Minus — das wäre ein
Haushaltsplaner, kein Förderarchitektur-Vergleich. Und die Zahl „leer mit 87“ würde als Aussage
über die Altersvorsorge insgesamt gelesen, obwohl das Modell nur diese eine Entscheidung kennt.
Der Verbrauch der **äquivalenten** Monatsleistung ist etwas anderes: er ist je Option
verschieden, aus dem Modell abgeleitet und braucht keine Fremdannahme. Deshalb steht er drin.
### Vier verworfene Fassungen
Der Weg dorthin lohnt die Notiz, weil jede Zwischenstufe an einem anderen Denkfehler scheiterte:
1. **Nur das Produktkonto.** Die bAV fällt bei Kapitalwahl auf null und schweigt über den Rest.
Verschweigt, dass die Kennzahl sehr wohl eine Wiederanlage unterstellt.
2. **Die prospektive Reserve `V(t)`.** Mathematisch tadellos und exakt die Größe hinter der
Monatsleistung — aber nach einer Kapitalauszahlung **negativ** (−54.555 € ab Alter 68), weil
dann nur noch Lasten ausstehen. Wahr, wichtig, und als Kurve unlesbar.
3. **Der reine Entsparpfad** `G(t+1) = G(t)(1+w) − M`. Läuft sauber auf null, aber die Pfade
sind dann zwangsläufig proportional: wer den Verbrauch fixiert *und* alles zum selben Zins
führt, hat das Vermögen determiniert.
4. **Der beitragsfreie Wert** in der Ansparphase, um den Einheitenwechsel am Rentenbeginn zu
vermeiden. Stetig und sauber, aber es blieb bei einer Nettogröße, die für das Privatdepot
eine Bewegung suggeriert, wo keine ist.
## 8. Eine Lesefalle in der Sensitivitätskurve
Reglern wie *Jahresbrutto* oder *Monatsbeitrag* verändern nicht nur die Förderarchitektur,
sondern auch den **Nettoaufwand** — und damit den Betrag, der in allen drei Optionen investiert
wird. Die drei Kurven sind deshalb bei jedem einzelnen x fair vergleichbar, das Niveau zwischen
verschiedenen x aber nicht. Die auffälligen Sprünge sind echt und sitzen an den
Beitragsbemessungsgrenzen: oberhalb von 69.750 € spart die Entgeltumwandlung keine
KV/PV-Beiträge mehr, oberhalb von 101.400 € auch keine RV/AV-Beiträge. Der Nettoaufwand
springt dort um bis zu 15 %, die investierte Summe mit ihm. Die App blendet einen Hinweis mit
der tatsächlichen Spanne ein, sobald der Effekt 2 % übersteigt.
## 9. Zwei Befunde, die beim Portieren aufgefallen sind
**Die Vorabpauschale ist im Basisfall ein Vorteil für das Privatdepot.** Über 35 Jahre fallen
121.774 € Vorabpauschale an, davon werden aber nur 11.942 € tatsächlich versteuert — der Rest
läuft in den Sparer-Pauschbetrag. Die *volle* Summe erhöht dagegen die Kostenbasis und spart
bei der Entnahme rund 22.000 € Abgeltungsteuer. Setzt man den Sparer-Pauschbetrag auf null,
dreht das Vorzeichen. Der Balken „Wegfall der Vorabpauschale“ im Wasserfall ist deshalb
negativ; das ist kein Vorzeichenfehler.
**Der Arbeitgeberzuschuss sättigt — und zwar früher, als man denkt.** Im Zuschussmodus „spitz“
(§ 1a Abs. 1a BetrAVG wörtlich) wächst der Zuschuss nur bis zur tatsächlichen SV-Ersparnis des
Arbeitgebers. Bei 75.000 € Gehalt und 300 €/Monat liegt das Entgelt bereits **über** der
KV-Beitragsbemessungsgrenze von 69.750 €: der Arbeitgeber spart dort überhaupt keine
KV/PV-Beiträge, sondern nur RV/AV auf 3.600 €, also 381,60 € im Jahr — das sind 10,6 % des
umgewandelten Betrags. Der gesetzliche Mindestzuschuss von 15 % ist damit schon der gedeckelte
Wert; **jede Erhöhung des Reglers ist wirkungslos.** Die App zeigt das jetzt direkt am Regler an.
Der im README des Modells genannte Break-even von ~26,7 % ist folglich im spitzen Modus gar
nicht erreichbar, sondern nur in den Modi „voller Beitrag“ bzw. „sv-freier Anteil“.
Die Sensitivitätskurve zeigt die Sättigung als waagerechten Ast.
---
## 10. Das Aussehen: Windows 3.1 / NT 3.5
Silber `#C0C0C0` auf Petrol `#008080`, Navy-Titelleisten, harte Ein-Pixel-Kanten, alles aus der
16-Farben-VGA-Palette. **Es gibt nur ein Farbschema** — `prefers-color-scheme` ist entfernt,
eine Dunkelvariante gäbe es hier nicht zu skinnen.
Drei Kantenformen tragen die ganze Oberfläche:
| Form | Aufbau | Wo |
|---|---|---|
| erhaben (3.1) | `1px solid #000` + `inset 1px 1px 0 #FFF` + `inset -1px -1px 0 #808080` | Schaltflächen |
| erhaben (95) | zusätzlich `border-color:#DFDFDF #000 #000 #DFDFDF` | Fenster, Kacheln |
| versenkt | `border-color:#808080 #FFF #FFF #808080` + `inset 1px 1px 0 #000` | Felder, Zeichenfläche |
Gedrückte Umschalter bekommen zusätzlich das Rastermuster der eingerasteten Werkzeugleiste
(`repeating-conic-gradient` mit 2 px Kachel). Das Fokusrechteck ist das originale gepunktete —
zugleich das barrierefreiste, was Windows je hatte.
### Was bewusst aus Windows 95 / NT 4 kommt
Windows 3.1 kannte diese Steuerelemente schlicht nicht, und ohne sie wäre die App schlechter:
- **Trackbar** — der Schieberegler ist ein Win95-Common-Control. Unter 3.1 hätte man Zahlen
eintippen müssen; die unmittelbare Rückkopplung wäre dahin.
- **Registerkarten** — 3.1 löste Mehrseitigkeit über eigene Dialoge. Vier Diagramme in vier
Fenstern wären hier klar schlechter.
- **Versenkter Rahmen** (`WS_EX_CLIENTEDGE`) statt 3.1s einfachem schwarzen Rahmen um
Eingabefelder — liest sich deutlich besser.
### Was 3.1 besser konnte
Die Segmentschalter sind zu **echten Optionsfeldgruppen** geworden. Das ist die authentische
Entsprechung für eine Auswahl unter wenigen Alternativen, es ist das semantisch richtige
Element, und die Pfeiltastennavigation der Radiogruppe gibt es geschenkt.
### Fenster, die wirklich Fenster sind
Jeder Abschnitt hat eine Titelleiste mit Systemmenü-Kasten und Minimieren-Knopf. Der Knopf ist
kein Zierrat: er klappt den Inhalt tatsächlich ein, Doppelklick auf die Titelleiste ebenso, und
der Zustand wird gespeichert. Auf dem Telefon ist das nützlich — man klappt „Ihre Angaben“ zu
und hat das Diagramm ganzseitig.
Grau ist unter Windows die Farbe des *Deaktivierten*. Lesbarer Text bleibt deshalb durchgehend
schwarz und wird über Größe und Kursivstellung abgestuft, nicht über Aufhellung. Das ist
zugleich authentisch und der bessere Kontrast: Schwarz auf `#C0C0C0` sind 9,9 : 1.
## 11. Bewusst nicht gebaut
- **Onboarding-Assistent.** Elf Kernfelder tragen keinen Wizard; er verstellte nur den Blick
auf die Kopplung der Größen.
- **Animierte Zahlenübergänge.** Sie lenken von genau dem ab, was man vergleichen soll.
- **Aufgeräumte Rechengrößen.** Die 45 gesetzlichen Werte stehen bewusst hinten und bewusst
vollständig. Wer die Modellannahme mit 70 % Vertrauensgrad nicht teilt, soll sie ändern
können, ohne den Quelltext anzufassen.
---
*Keine Steuer- oder Anlageberatung. Ein Modell ist kein Vertrag.*
|